Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 11. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Altkanzler Gerhard Schröder ist nach Moskau gereist, um den 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu feiern. In Berlin reagiert die Politik mit Wut. Laut tagesschau ist Bundeskanzler Friedrich Merz „zutiefst empört“. Kritik kommt aus fast allen großen Parteien, auch aus Schröders eigener SPD.
Was passiert ist
Der 82-jährige Schröder war bei Putins Geburtstag in Moskau, wie die tagesschau berichtete. Nach Angaben des Senders ist über den Besuch wenig bekannt. Ein Bild zeigt die beiden Männer beim Händeschütteln.
Die schärfste Reaktion kam aus dem Kanzleramt. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer gab die Haltung des Kanzlers wieder: „Der Bundeskanzler ist zutiefst empört über das Treffen von Herrn Schröder mit dem russischen Präsidenten Putin.“ Putin sei verantwortlich für Tausende Tote und unermessliches Leid in der Ukraine, sagte Meyer. Der Kanzler halte es zudem für „fast unmoralisch, dass Herr Schröder an einem solchen Tag mit Herrn Putin feiert“.
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) nannte den Besuch „völlig inakzeptabel“. Die tagesschau beschreibt die Reaktion der SPD als kollektives, resigniertes Kopfschütteln. Die Partei hatte einst vergeblich versucht, Schröder auszuschließen, und ignoriert ihn seitdem, so gut es geht. Nach Angaben des Senders gilt in der Partei weiterhin, was die heutige Co-Vorsitzende Bärbel Bas schon früher gesagt hatte: „Ein solches politisches Erbe am Ende selbst zu zerstören, finde ich einfach traurig.“
Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckhart sagte, sie sei nicht traurig, sondern wütend. Sie nannte den Besuch eine Schande, einen Verrat an Europa und einen Bärendienst für den Frieden. Noch weiter ging Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament. Sie nannte Schröder „Deutschlands frechsten Rentner“ und schrieb, er sei „zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber fit genug für gut bezahlte Mandate in Russland und eine Geburtstagsfeier bei Kriegsverbrecher Putin. Eine Schande ohnegleichen.“
Die beiden Männer haben schon früher gemeinsam Geburtstage gefeiert. Zu Schröders 60. Geburtstag reiste Putin mit einem Kosakenchor nach Hannover. Seinen 70. feierte Schröder mit einer Schlittenfahrt in St. Petersburg.
Schröder bleibt bei seiner Haltung. Die tagesschau zitiert seine seit Langem vertretene Sicht auf die Freundschaft: „Das ist einer der Punkte, wo ich mir von niemandem vorschreiben lasse, was ich zu tun und zu lassen habe.“ Der Sender berichtet außerdem, dass Schröder die Reise weder mit dem Auswärtigen Amt noch mit dem Kanzleramt oder dem Innenministerium abgestimmt hat, das für seinen Personenschutz zuständig ist. Das Fazit der tagesschau: Seit 2022 spricht Schröder nur noch für sich selbst.
Warum das für Sie in Deutschland wichtig ist
Ehemalige Bundeskanzler erhalten in Deutschland nach ihrer Amtszeit normalerweise staatliche Unterstützung. Im Fall Schröder hat der Haushaltsausschuss des Bundestags sein Altkanzlerbüro samt fünf Mitarbeiterstellen und einem Fahrer offiziell „ruhend gestellt“. Laut tagesschau klagte Schröder gegen die Entscheidung und verlor. Sein Büro wird also nicht mehr aus Steuergeld finanziert. Für seine persönliche Sicherheit ist aber weiterhin das Innenministerium zuständig, und es wurde über diese Reise nicht vorab informiert.
Die Reaktionen zeigen auch, wie einig sich die deutsche Politik in dieser Frage ist. Innerhalb eines Tages verurteilten das Kanzleramt, der SPD-Vizekanzler, die Grünen und die FDP den Besuch. Die tagesschau erinnert zudem an frühere Kritik von CSU-Chef Markus Söder, der Schröder einen „sturen, alten, bizarren Mann“ nannte, „dem das eigene Konto wichtiger ist als das Ansehen Deutschlands“. Wer verstehen will, wie sich Deutschland gegenüber Russland positioniert, findet in der Wortwahl der Regierung eine klare Antwort: Sie bezeichnet Putin als verantwortlich für Tausende Tote in der Ukraine.
Auch innerhalb der SPD, die gemeinsam mit der Union von Merz regiert, hat der Fall Gewicht. Schröder ist nach wie vor Mitglied, obwohl die Partei versucht hat, ihn auszuschließen. Für Wählerinnen und Wähler ist das eine Erinnerung daran, dass frühere SPD-Spitzenleute weiterhin mit Moskau verbunden sind, während sich die heutige Führung immer wieder öffentlich davon distanziert.
Ein SPD-Politiker sah die Sache anders. Ralf Stegner, Außenpolitiker der SPD, sagte mehreren Medien, Schröder sei einer der wenigen Menschen in Deutschland, die noch Zugang zu Putin haben. Wenn der Besuch dem Frieden auch nur einen Millimeter genützt habe, sei er ein Erfolg, so Stegner. Die tagesschau geht davon aus, dass dies eine Einzelmeinung bleiben wird.
Wie es weitergehen könnte
Die tagesschau berichtet nicht über neue formelle Schritte gegen Schröder nach diesem Besuch. Sein Büro ruht bereits, und der Versuch, ihn aus der SPD auszuschließen, ist bereits gescheitert. Die wichtigsten offenen Fragen sind politischer Natur: ob sich weitere SPD-Politikerinnen und -Politiker Stegners Argument anschließen, einen Gesprächskanal nach Moskau offenzuhalten, oder ob die Parteiführung noch entschiedener auftritt.
Auch eine verwandte Idee ist wieder in der Debatte. Die tagesschau verweist auf einen früheren Bericht, wonach Putin Schröder als Vermittler vorgeschlagen hatte und der Vorschlag in Deutschland gemischte Reaktionen auslöste. In der breiteren Diskussion über mögliche künftige Gespräche zur Ukraine dürfte diese Idee wieder auftauchen, ebenso Stegners Behauptung, Schröders Zugang zum Kreml habe einen gewissen Wert.
Schröders eigene Äußerungen deuten darauf hin, dass er seinen Kurs nicht ändern wird. Der Besuch war weder mit dem Auswärtigen Amt noch mit dem Kanzleramt oder dem Innenministerium abgestimmt. Es lohnt sich daher zu beobachten, ob die Regierung künftig anders mit seinen Auslandsreisen umgeht. Die Quelle berichtet nicht, dass eine solche Änderung geplant ist.
Quelle: tagesschau
Quellen
- tagesschau: Altkanzler Schröder bei Putins Geburtstag: Kopfschütteln, Wut, Empörung, abgerufen am 11. Oktober 2026 (archivierte Kopie)
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