Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 11. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Hamburgs wichtigstes Nahverkehrsunternehmen verliert das Vertrauen in Wasserstoffbusse. Der Chef der Hochbahn sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass fünf Brennstoffzellenbusse, die das Unternehmen seit fast einem Jahr einsetzt, noch immer nicht endgültig abgenommen worden seien. Wasserstoff sei „nicht unser Weg“.
Was passiert ist
Laut einem Bericht von Golem bezweifelt Jens-Günter Lang, Vorstandssprecher der Hamburger Hochbahn, dass Wasserstoffbusse in der Stadt eine Zukunft haben. Die Hochbahn betreibt das Hamburger U-Bahn-Netz und einen großen Teil der Stadtbusse.
„Wir betreiben fünf Busse seit fast einem Jahr, und sie sind immer noch nicht endabgenommen, weil sie die Qualitätsanforderungen nicht erfüllen“, sagte Lang laut Golem der dpa. Er fügte hinzu: „Wir erkennen, dass das nicht unser Weg ist.“
Wie Golem berichtet, hatte die Hochbahn die fünf Brennstoffzellenbusse im März 2023 als Test bei einem polnischen Hersteller bestellt. Lang zufolge sind die Fahrzeuge wegen ihrer komplexen Technik seltener einsatzbereit als Diesel- oder batterieelektrische Busse. Außerdem verwies er auf hohe Betriebskosten und bezeichnete grünen Wasserstoff als „unglaublich teuer“. Grüner Wasserstoff wird mit Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind hergestellt.
Das Unternehmen setzt stattdessen auf Batteriebusse, die im Betrieb laut Golem weniger klimaschädliche Emissionen verursachen als Dieselfahrzeuge. Nach den zuletzt genannten Zahlen hat die Hochbahn mehr als 1.100 Busse, davon rund 430 elektrische. Bis 2031 will sie den Anteil der Batteriebusse von knapp 40 Prozent auf 60 Prozent erhöhen.
Golem stellt die Hamburger Erfahrungen neben eine aktuelle Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH), einer Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation. Die DUH hat die 40 größten Städte Deutschlands zu ihren Busflotten befragt. Ergebnis: Nur 1,5 Prozent der derzeit eingesetzten Busse sind reine Brennstoffzellenfahrzeuge. Bei den Neubestellungen liegt der Brennstoffzellenanteil mit 10,9 Prozent höher, vollelektrische Busse machen jedoch 63,4 Prozent der Neuanschaffungen aus.
Die DUH kommt zu dem Schluss, dass Wasserstoffbusse keine wirtschaftlich attraktive Alternative zu Batteriebussen sind. Aus ihrer Sicht sind sie deutlich teurer und werden auch künftig keine Kostengleichheit erreichen. Zudem sei Wasserstoff selbst teuer und knapp, und ein Wasserstoffbus benötige pro Kilometer ein Vielfaches an Energie im Vergleich zu einem Batteriebus, der den Strom direkt nutzt.
Warum das für Sie in Deutschland wichtig ist
Wenn Sie in Hamburg leben, wird der Bus, der Sie abholt, immer häufiger ein Batteriebus sein. Mit bereits rund 430 Elektrobussen in einer Flotte von mehr als 1.100 Fahrzeugen und dem Ziel von 60 Prozent bis 2031 werden Batteriefahrzeuge in den kommenden Jahren einen immer größeren Teil des täglichen Pendelverkehrs ausmachen. Langs Äußerungen deuten darauf hin, dass Wasserstoff bei diesem Wandel kaum oder gar keine Rolle spielen wird.
Für Fahrgäste ist vor allem die Zuverlässigkeit entscheidend. Langs Hauptkritik lautet, dass die Brennstoffzellenbusse seltener einsatzbereit sind als Diesel- oder Batteriebusse. Eine Flotte aus Fahrzeugen, die häufiger verfügbar sind, sorgt dafür, dass die Fahrpläne eingehalten werden, und das scheint Teil der Überlegungen der Hochbahn zu sein.
Für Menschen in anderen Teilen Deutschlands zeigen die Zahlen der DUH, wie ungleich der Umstieg auf Elektrobusse verläuft. In den befragten Städten fährt insgesamt bereits etwas mehr als ein Fünftel der Stadtbusse mit Batterie. In Mannheim sind drei von fünf Bussen elektrisch. In Magdeburg, Krefeld, Wuppertal, Augsburg und Essen ist laut DUH noch kein einziger Elektrobus im Einsatz. Wenn Sie in einer dieser Städte wohnen, ist Ihr örtliches Verkehrsunternehmen also an einem ganz anderen Punkt als Hamburg oder Mannheim.
Dazu kommt eine grundsätzliche Frage nach öffentlichen Geldern. Der Nahverkehr in Deutschland wird größtenteils von kommunalen Unternehmen betrieben, daher wirken sich Entscheidungen über teure Fahrzeugtechnik darauf aus, wie weit die Budgets für den Nahverkehr reichen. Die DUH argumentiert, dass Wasserstoffbusse in Anschaffung und Betrieb teurer sind, und die Erfahrungen in Hamburg scheinen diese Sicht zu stützen.
Worauf Sie als Nächstes achten sollten
Die erste offene Frage ist, was mit den fünf Hamburger Brennstoffzellenbussen geschieht. Lang sagt, sie seien nicht endgültig abgenommen worden, weil sie die Qualitätsanforderungen nicht erfüllen. Der Bericht von Golem lässt jedoch offen, ob die Hochbahn sie zurückgeben, weiter einsetzen oder ausmustern wird.
Die zweite ist, wie die Hochbahn bei ihrem Ziel vorankommt, den Anteil der Batteriebusse bis 2031 von heute knapp 40 Prozent auf 60 Prozent zu steigern. Daran wird sich zeigen, wie schnell eines der größten Busunternehmen Deutschlands vom Diesel wegkommen kann.
Drittens lohnt sich der Blick darauf, ob andere Städte dem Hamburger Beispiel folgen. Laut den Daten der DUH machen Brennstoffzellenbusse noch 10,9 Prozent der Neubestellungen aus. Teilen weitere Verkehrsunternehmen die Hamburger Bedenken zu Zuverlässigkeit und Kosten, könnte dieser Anteil zugunsten von Batteriefahrzeugen weiter sinken. Städte, die noch keine Elektrobusse auf die Straße gebracht haben, etwa die in der DUH-Umfrage genannten, dürften sich zunehmend Fragen zu ihren Plänen gefallen lassen müssen.
Schließlich bleibt die Frage der Infrastruktur. Wie die Bildunterschrift zum Bericht von Golem anmerkt, gibt es in Deutschland nur wenige Wasserstofftankstellen. Das ist eine weitere praktische Hürde für Verkehrsunternehmen, die die Technik abwägen.
Quelle: Golem
Quellen
- golem: ÖPNV: Hamburg kommt mit Wasserstoffbussen nicht voran, abgerufen am 11. Oktober 2026
Deutschland für Internationale
Eine E-Mail pro Woche: die Nachrichten der Woche für Internationale in Deutschland, neue praktische Ratgeber und was sich in den Städten geändert hat. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.










