Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 16. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Forschende der University of Warwick sagen, sie hätten den ersten bekannten grünen Stern entdeckt: einen Weißen Zwerg namens WD J1330+6435. Laut dem deutschen Techmagazin t3n deutet die Studie außerdem darauf hin, dass viele dieser alten, dichten Sterne farbiger sind, als Astronominnen und Astronomen lange angenommen haben.
Was passiert ist
Ein Team der University of Warwick in Großbritannien hat seine Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift RAS Techniques and Instruments veröffentlicht. Sie stellen eine grundlegende Annahme darüber infrage, wie Sterne zu ihrer Farbe kommen. Nach der lange gültigen Sichtweise, wie t3n sie zusammenfasst, bestimmt die Temperatur die Farbe: Kühle Sterne wirken orange, Sterne wie die Sonne weiß und die heißesten Sterne blassblau. Die neue Studie argumentiert, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen.
Weiße Zwerge sind kleine, alte Sterne. Sie entstehen, wenn einem Stern mit ungefähr der Masse der Sonne der Brennstoff ausgeht und sein Kern unter der eigenen Schwerkraft kollabiert. Ihren Namen erhielten sie, weil sie bei ihrer Entdeckung weiß oder blassblau erschienen. Die Forschenden vermuten, dass dies an der Entfernung liegen könnte: Von der Erde aus konnten Astronominnen und Astronomen ihre wahren Farben schlicht nicht erkennen.
Den Unterschied macht die Dichte. Nach dem Kollaps ist die Materie in einem Weißen Zwerg millionenfach dichter als die Photosphäre der Sonne, also ihre sichtbare äußere Schicht. Unter diesen Bedingungen treten Elemente wie Kohlenstoff, Calcium und Natrium in Wechselwirkung mit dem dichten Heliumplasma und absorbieren Licht über ein breiteres Farbspektrum. Dadurch verschiebt sich das Erscheinungsbild des Sterns weg vom gewohnten Weiß und Blau.
Die Studie beschreibt eine ganze Farbpalette. Weiße Zwerge mit hohem Kohlenstoffanteil schimmern rosa oder violett. Solche, die mit Trümmern verschluckter Asteroiden oder Kometen angereichert sind, wirken eher gelblich. Kühlere Weiße Zwerge mit gemischten Wasserstoff-Helium-Atmosphären leuchten oft cyan oder blassblau, weil Wasserstoffmoleküle mit Heliumatomen zusammenstoßen.
Die auffälligsten Farben entstehen, wenn einer dieser „lebenden Toten“, wie t3n sie nennt, beginnt, Planeten in seiner Umgebung zu verschlingen. WD J1330+6435, rund 326 Lichtjahre entfernt, ist das Beispiel, das die Forschenden hervorheben. Er hat Gesteinsmaterial eines planetaren Begleiters aufgenommen, das seine Atmosphäre mit Calcium, Lithium und Natrium angereichert und ihm einen grünen Farbton verliehen hat. Kein anderer Stern wurde bisher glaubwürdig als grün beschrieben, deshalb gilt WD J1330+6435 als erster bekannter grüner Stern.
Teamleiter Mark Hollands von der University of Warwick sagte dem Wissenschaftsportal Space, niemand habe sich wirklich angesehen, was bei Weißen Zwergen sonst noch möglich sein könnte. Diese unglaublich dichten Sterne könnten Farben hervorbringen, die niemand erwartet hätte, und einige davon hätten ihn wirklich überrascht. Zum grünen Stern erklärte er, dass Spuren von Natrium in seiner Atmosphäre den orangefarbenen Teil des Spektrums absorbieren und ein geisterhaftes grünes Leuchten zurücklassen.
Warum das für Menschen in Deutschland wichtig ist
Es handelt sich um eine Wissenschaftsmeldung, und die Quelle beschreibt keine direkten Änderungen für Einwohnerinnen und Einwohner, Beschäftigte oder Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland. Beachtung verdient sie, weil t3n, eines der bekanntesten deutschen Magazine für Technologie und digitale Wirtschaft, darüber berichtet hat. Wissenschafts- und Astronomieberichte dieser Art erreichen deutsche Leserinnen und Leser regelmäßig über Medien wie t3n, und die Studie selbst erinnert daran, dass Lehrbuchregeln überarbeitet werden können, wenn Forschende genauer hinsehen.
Für Hobbyastronominnen und -astronomen gibt es allerdings eine Einschränkung. Die Studie legt nahe, dass die wahren Farben Weißer Zwerge wegen ihrer Entfernung von der Erde aus schwer zu erkennen waren. Wer hofft, mit einem Teleskop im eigenen Garten einen grünen Stern zu entdecken, sollte das bedenken. Die hier beschriebenen Farben stammen aus einer detaillierten Analyse, wie diese Sterne Licht absorbieren, nicht aus einem flüchtigen Blick in den Nachthimmel.
Die Entdeckung ist auch für Studierende und alle, die sich für Physik interessieren, von Bedeutung. Sie zeigt, dass die Farbe eines Sterns etwas über seine Geschichte verraten kann, etwa ob er Material von Planeten oder kleineren Himmelskörpern wie Asteroiden und Kometen aufgenommen hat.
Wie es weitergeht
Das Team achtet darauf, die Ergebnisse nicht zu überzeichnen. Trotz aller Vielfalt bleibt Weiß laut den Forschenden die häufigste Farbe Weißer Zwerge. Nur fünf der 151 toten Sterne im Umkreis von etwa 65 Lichtjahren um die Erde zeigen eine ungewöhnliche Farbe.
Boris Gänsicke vom Physik-Department der University of Warwick ordnete das ein. Einer von dreißig klinge vielleicht nicht nach einem großen Anteil, sagte er, doch bei der Gesamtzahl der Weißen Zwerge im Universum ergebe das trotzdem sehr viele seltsam gefärbte Sterne. Er fügte hinzu: Nehme man den Median einer repräsentativen Population Weißer Zwerge, sei der durchschnittliche Weiße Zwerg tatsächlich weiß.
Offen ist nun, wie viele ungewöhnlich gefärbte Weiße Zwerge es jenseits dieser nahen Stichprobe noch gibt und ob sich weitere als grün wie WD J1330+6435 herausstellen. Weil die Farben verraten, was ein Stern aufgenommen hat, könnten sie auch zu einem weiteren Weg werden, um zu untersuchen, was mit Planetensystemen nach dem Tod ihrer Sterne geschieht. Wer die technischen Details nachlesen möchte, findet die vollständigen Ergebnisse in RAS Techniques and Instruments.
Quelle: t3n
Quellen
- t3n: Erster grüner Stern entdeckt: Warum dieser Weiße Zwerg farbig leuchtet, abgerufen am 16. Oktober 2026
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