Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 5. November 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Die Bundesregierung will bei den Ausgaben für das Wohngeld sparen. Der staatliche Zuschuss hilft Haushalten mit geringerem Einkommen, ihre Miete zu bezahlen. Wie die tagesschau berichtet, schätzt das Bundesbauministerium, dass rund ein Drittel der Haushalte, die derzeit Wohngeld bekommen, es durch die Reform verlieren könnte.
Was passiert ist
Die Bundesregierung hat eine Reform des Wohngelds ausgearbeitet, mit der mehrere Milliarden Euro eingespart werden sollen. Laut tagesschau stand das Vorhaben am Tag ihres Berichts auf der Tagesordnung des zuständigen Ausschusses im Bundestag.
Die Reform setzt sich aus mehreren Maßnahmen zusammen. Die Regierung will die Erhöhung des Wohngelds aussetzen, die für Anfang 2027 vorgesehen war. Außerdem soll die Heizkostenkomponente halbiert werden. Sie war 2023 zusätzlich zum Wohnkostenzuschuss eingeführt worden, um die Folgen der hohen Energiepreise abzufedern. Und schließlich soll sich die Formel ändern, nach der berechnet wird, wer Anspruch auf Wohngeld hat, sodass weniger Menschen berechtigt sind.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bezogen Ende 2025 rund 1,3 Millionen Haushalte Wohngeld. Das sind etwas mehr als drei Prozent der privaten Haushalte in Deutschland. Im Durchschnitt hatten sie Anspruch auf 291 Euro im Monat. Die Regierung rechnet damit, 2027 knapp 1,2 Milliarden Euro weniger auszuzahlen und in den Jahren danach jährlich knapp 1,5 Milliarden Euro weniger.
Welche Folgen das haben könnte, zeigt die tagesschau am Beispiel des Sozialkaufhauses des Vereins „Wäller helfen“ in Montabaur. In einem Sozialkaufhaus können Menschen mit geringem Einkommen günstig einkaufen. Dafür müssen sie ihre Bedürftigkeit nachweisen, etwa indem sie zeigen, dass sie Grundsicherung oder Wohngeld beziehen. Das Kaufhaus hat derzeit 2.500 registrierte Kundinnen und Kunden, und die Betreiber befürchten, viele von ihnen nach Inkrafttreten der Reform nicht mehr bedienen zu dürfen.
René Schneider, der im Kaufhaus arbeitet, sagte der tagesschau, die steigenden Kosten träfen sehr viele Menschen, vor allem Alleinerziehende und Rentner, die in eine Lücke fallen: Sie haben zu viel Einkommen, um ergänzende Leistungen zu bekommen, aber zu wenig, um ihre Miete zu bezahlen. Schneider, der selbst Bürgergeld bezogen hat, sagte, mit einem solchen Budget könne schon der Ersatz für einen kaputten Wasserkocher unbezahlbar werden.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie Wohngeld beziehen, könnte die Reform Sie auf mehrere Arten treffen. Die geplante Erhöhung würde ausbleiben, die Heizkostenkomponente Ihrer Zahlung würde halbiert, und nach der neuen Berechnungsformel hätten Sie möglicherweise gar keinen Anspruch mehr. Nach Schätzung des Ministeriums selbst würde etwa jeder dritte Haushalt, der derzeit Wohngeld erhält, seinen Anspruch verlieren.
Der Verlust des Wohngelds kann weitere Folgen haben. Wie die tagesschau hervorhebt, dient das Wohngeld häufig als Nachweis der Bedürftigkeit, etwa für ein Sozialkaufhaus oder die Tafel, das Netz von Ausgabestellen, die gespendete Lebensmittel verteilen. Haushalte, die kein Wohngeld mehr bekommen, könnten damit auch den Zugang zu diesen Angeboten verlieren, was den Alltag spürbar teurer machen würde.
Schneider warnte außerdem, die Reform könne Menschen im Bürgergeld treffen, die arbeiten wollen. Wer aus gesundheitlichen Gründen nur in Teilzeit arbeiten könne, zögere nach seiner Einschätzung womöglich, eine Stelle anzunehmen, weil ein Teilzeitverdienst ohne Wohngeld die Miete vielleicht nicht decke. Das könne dazu führen, dass Menschen länger im Bürgergeld bleiben, also das Gegenteil dessen, was die Regierung erreichen will.
Die Reform ist bisher ein Vorhaben, über das im Parlament beraten wird, und noch kein Gesetz. Wenn Sie auf Wohngeld angewiesen sind, lohnt es sich, Ihren aktuellen Anspruch zu prüfen und nachzusehen, wie viel Ihrer Zahlung auf die Heizkostenkomponente entfällt. So können Sie einschätzen, wie sich die Änderungen auf Ihr Haushaltsbudget auswirken könnten. Wenn Sie ein Sozialkaufhaus oder die Tafel mit dem Wohngeld als Bedürftigkeitsnachweis nutzen, erkundigen Sie sich, welche anderen Nachweise dort akzeptiert werden.
Wie es weitergeht
Entscheidend ist das parlamentarische Verfahren im Bundestag, wo die Reform im Ausschuss beraten wird. Achten Sie auf die endgültige Fassung der neuen Berechnungsformel, die darüber entscheidet, wer seinen Anspruch behält, und auf die Bestätigung, ab wann die Änderungen gelten. Die Betreiber des Kaufhauses in Montabaur rechnen damit, dass die Auswirkungen ab dem kommenden Jahr spürbar werden.
Quelle: tagesschau
Quellen
- tagesschau: Wohngeldreform könnte Bedürftige doppelt treffen, abgerufen am 5. November 2026
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