Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 11. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Asylsuchende in Deutschland, die vor Gericht gegen eine Ablehnung vorgehen, müssen wieder länger auf ein Urteil warten. Das geht aus neuen Zahlen der Bundesregierung hervor, über die die tagesschau berichtet. Im ersten Halbjahr 2026 dauerten diese Gerichtsverfahren im Schnitt 15,3 Monate. Wie lange man warten muss, hängt stark vom Bundesland ab.
Was passiert ist
Die Zahlen stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken, berichtet die tagesschau. Sie betreffen Klagen gegen Asylentscheidungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das BAMF entscheidet, ob jemand in Deutschland einen Schutzstatus erhält.
Mehrere Jahre lang waren diese Verfahren immer kürzer geworden. Nach Angaben der tagesschau dauerte eine Klage 2021 im Schnitt 26,5 Monate und 2024 noch 16,7 Monate. Für 2025 nannte die Bundesregierung einen Durchschnitt von 14,3 Monaten, wobei die Daten für Dezember in dieser Zahl fehlten. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Durchschnitt wieder auf 15,3 Monate.
Die tagesschau nennt einen Grund für den Anstieg: Die Zahl der Asylklagen ist deutlich gestiegen. Auch das zuständige Gericht kann eine Rolle spielen. Wenn ein Gericht viele Fälle von Menschen bekommt, bei deren Herkunftsländern Entscheidungen über einen Schutzstatus schwierig sind, kann sich das auf die Dauer der Verfahren auswirken.
Darauf wies auch Clara Bünger hin, Bundestagsabgeordnete der Linken. Laut tagesschau sagte sie, das BAMF habe 2025 verstärkt Geflüchtete aus Ländern abgelehnt, in denen sich die Menschenrechtslage eher verschlechtert habe. „Das betraf zum Beispiel die Herkunftsländer Iran, Russland, Afghanistan und die Türkei“, sagte sie. Bünger zufolge korrigierten die Gerichte bei Antragstellenden aus dem Iran etwa jede zweite Asylentscheidung, die sie überprüften.
Was das für Sie bedeutet
Die Zahlen betreffen vor allem Menschen, die vom BAMF einen ablehnenden oder teilweise ablehnenden Bescheid erhalten und dagegen Klage eingereicht haben. Über diese Fälle verhandeln die Verwaltungsgerichte. Sie entscheiden, ob der Bescheid des BAMF Bestand hat. Solange das Verfahren läuft, bleibt der Schutzstatus der betroffenen Person ungeklärt.
Wo Sie wohnen, beeinflusst stark, wie lange Sie warten. Die tagesschau berichtet Folgendes:
- Sachsen hat mit 20,4 Monaten die längste durchschnittliche Verfahrensdauer.
- Rheinland-Pfalz: Dort ist die Wartezeit etwa halb so lang, im Schnitt 9,2 Monate.
- Bundesweit waren zum Stichtag 15. August 196.315 Asylklagen anhängig.
Es handelt sich um Durchschnittswerte. Ein einzelnes Verfahren kann je nach Gericht und Umständen deutlich länger oder deutlich kürzer dauern. Wenn Sie aus einem der von Bünger genannten Länder kommen, also aus dem Iran, aus Russland, Afghanistan oder der Türkei, kann eine Klage für Sie besonders relevant sein. Vor allem beim Iran haben die Gerichte nach Büngers Zahlen etwa die Hälfte der überprüften BAMF-Bescheide aufgehoben oder geändert.
Wenn Sie auf eine Gerichtsentscheidung warten, sollten Sie nach diesen Zahlen mit einer Wartezeit rechnen, die deutlich über ein Jahr hinausgehen kann, vor allem in den Bundesländern mit den längsten Verfahren. Wenn Sie eine Anwältin, einen Anwalt oder eine Beratungsstelle haben, können diese Ihnen sagen, wie der Stand Ihres eigenen Verfahrens beim zuständigen Gericht ist.
Wie es weitergeht
Der Durchschnitt von 14,3 Monaten für 2025 ist unvollständig, weil der Dezember fehlt. Eine Zahl für das ganze Jahr könnte den Vergleich mit 2026 verändern. Die steigende Zahl der Klagen dürfte die Verwaltungsgerichte außerdem weiter beschäftigen. In einem früheren Bericht, auf den die tagesschau verlinkt, forderte der Deutsche Richterbund 500 zusätzliche Richterinnen und Richter, damit die Pläne für schnellere Asylverfahren umgesetzt werden können. Künftige Antworten auf parlamentarische Anfragen werden zeigen, ob der Trend zu längeren Wartezeiten anhält und ob sich die Unterschiede zwischen den Bundesländern verringern.
Quelle: tagesschau
Quellen
- tagesschau: Schutzstatus in Deutschland: Asylklagen dauern wieder länger, abgerufen am 11. Oktober 2026
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