Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 11. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Die Christlich Demokratische Union (CDU) trifft sich in Berlin, um zu beraten, wie sie sich von drei Niederlagen bei den Landtagswahlen im September erholen kann. Wie die tagesschau berichtet, beginnt die Parteiführung am Sonntag eine zweitägige Klausurtagung. Zugleich gibt es Zweifel an Bundeskanzler Friedrich Merz, an der Stabilität der Regierungskoalition und am Kurs der Partei.
Was passiert ist
Das CDU-Präsidium, das oberste Führungsgremium der Partei, kommt nach Angaben der tagesschau zu einer zweitägigen Klausur in Berlin zusammen. Dem Treffen geht ein schwieriger Monat voraus: drei Landtagswahlen, drei Niederlagen.
Die von der tagesschau genannten Zahlen zeigen, wie schwer die Verluste wiegen. In Sachsen-Anhalt, wo die CDU einst die stärkste Partei war, verlor sie 19,9 Prozentpunkte und kam nur noch auf 17,2 Prozent. Zwei Wochen später landete die Partei in Berlin mit 18,8 Prozent auf Platz zwei. In Mecklenburg-Vorpommern errang die CDU keinen einzigen Sitz im Landtag.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte der Augsburger Allgemeinen, die Klausur werde kein „Allheilmittel“ hervorbringen, das alle Probleme über Nacht verschwinden lasse. Sie solle vielmehr der entschlossene Auftakt eines tiefgreifenden, langfristigen Prozesses sein. Die Partei müsse zeigen, dass sie die Botschaft der Wahlergebnisse verstanden habe.
Thorsten Frei, Vorsitzender der Unionsfraktion aus CDU und ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU im Bundestag, sagte im ARD-Morgenmagazin, die Bedingungen für die Partei seien so schwierig wie selten. Er räumte ein, dass sinkende Umfragewerte die Partei nervöser machten. Die CDU solle aber an ihrem Kurs festhalten.
Andere wollen die Schwerpunkte verschieben. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Partei solle sich wieder auf das besinnen, wofür die Wählerinnen und Wähler sie bei der Bundestagswahl gewählt hätten. Heizen, Tanken und der Lebensmitteleinkauf seien zu teuer geworden, und die CDU müsse darüber sprechen, wie das Leben wieder bezahlbar werde. Auch Hoppermann sagte, die Partei brauche sowohl mutige langfristige Veränderungen als auch spürbare kurzfristige Verbesserungen im Alltag.
Die Kritik reicht bis zum Kanzler. Stefan Evers, Chef der Berliner CDU, sagte laut tagesschau kürzlich, Merz trage eine klare Mitschuld an den Niederlagen. Merz fehle es an Empathie und Nahbarkeit, und die Abkehr von Wahlversprechen wie dem Festhalten an der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse habe die Wählerinnen und Wähler enttäuscht. Gegenüber t-online sagte er, die Reformen müssten mehr Zuversicht wecken als Angst vor Veränderung.
In der Koalition aus CDU/CSU und SPD ist inzwischen das Reformprogramm selbst umstritten. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat kritisiert, die Reformen seien in den Augen der Öffentlichkeit ungerecht.
Dennis Radtke, Vorsitzender des Sozialflügels der CDU, sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, außer der rechtsextremen AfD könne niemand ernsthaft ein Scheitern der Koalition wollen. Die Gedankenspiele über eine Minderheitsregierung bestürzten ihn, und er warnte, die politische Mitte beschleunige ihre eigene Erosion.
Ein weiterer Streitpunkt ist das Verhältnis zur AfD. Am Dienstag wurde der AfD-Politiker Tobias Rausch in geheimer Wahl zum Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt gewählt. Er erhielt vier Stimmen mehr, als AfD und BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) zusammen Sitze haben. Es wird spekuliert, dass die zusätzlichen Stimmen aus den Reihen der CDU kamen. Die Linksfraktion beantragte dazu eine Aktuelle Stunde im Bundestag.
Manfred Weber (CSU), Vorsitzender der Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament, sagte der Süddeutschen Zeitung, die „Brandmauer“ im Sinne von „die oder wir“ müsse Geschichte werden. Gemeint ist die Weigerung der Parteien der Mitte, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Nach Webers Worten ist diese Politik eine schwere Last in Ländern wie Thüringen und Sachsen, wo die CDU Minderheitsregierungen führt und regelmäßig gemeinsam mit linken Parteien abstimmen muss.
Warum das für Sie wichtig ist, wenn Sie in Deutschland leben
Die CDU führt die Bundesregierung. Ihre interne Debatte prägt deshalb die Politik, die alle Menschen hier betrifft. Von der tagesschau zitierte Parteivertreter dringen darauf, den Kosten für Heizen, Tanken und Lebensmittel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Setzt sich diese Sicht durch, könnten die Lebenshaltungskosten stärker in den Mittelpunkt der Regierungspolitik rücken.
Auch der Streit über die Reformen der Koalition ist von Bedeutung. Schwesig (SPD) nennt sie ungerecht, und Stimmen aus der CDU fordern einen anderen Ton. Deshalb könnten Tempo und Ausgestaltung der geplanten Reformen unter Druck geraten. Die tagesschau verweist zudem auf eine Umfrage des ARD-DeutschlandTrends vom 1. Oktober. Demnach fühlen sich drei Viertel der Deutschen vor allem belastet.
Für internationale Einwohnerinnen und Einwohner, die die deutsche Politik verfolgen, hat die Debatte über die Brandmauer großes Gewicht. Ob die CDU an ihrer Abgrenzung zur AfD festhält oder sie lockert, wird beeinflussen, wie Koalitionen in den Ländern und möglicherweise auch im Bund gebildet werden. EU-Bürgerinnen und -Bürger dürfen bei Kommunal- und Europawahlen wählen. Deshalb spielen diese Fragen auch an der Wahlurne eine Rolle.
Worauf es jetzt ankommt
Entscheidend ist, worauf sich das CDU-Präsidium bei seiner zweitägigen Klausur in Berlin verständigt und ob der von Hoppermann versprochene langfristige Prozess konkrete Maßnahmen gegen die hohen Alltagskosten bringt. Achten Sie außerdem auf Anzeichen weiterer Spannungen in der Koalition mit der SPD, auf die Reaktionen auf Rauschs Wahl in Sachsen-Anhalt und darauf, ob Webers Forderung, die Brandmauer aufzuweichen, in CDU und CSU an Unterstützung gewinnt oder verliert.
Quelle: tagesschau
Quellen
- tagesschau: Vor Klausur des Präsidiums: CDU sucht den Weg aus der Krise, abgerufen am 10. Oktober 2026 (archivierte Kopie)
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