Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 13. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Die deutsche Weinernte dürfte in diesem Jahr rund 20 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt liegen. Das geht aus einer ersten Prognose des Deutschen Weininstituts hervor, über die die DW berichtet. Das Institut führt das Minus auf die Dürre zurück. Ältere Reben mit tiefen Wurzeln kamen nach seinen Angaben deutlich besser damit zurecht als jüngere Anlagen.
Was passiert ist
Die DW hat die Prognose in ihren täglichen Nachrichtenüberblick aus und über Deutschland aufgenommen. Die Zahlen stammen vom Deutschen Weininstitut (DWI), der zentralen Informations- und Marketingorganisation der deutschen Weinwirtschaft. Nach seiner ersten Schätzung liegt die bundesweite Ernte etwa 20 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 8,7 Millionen Hektolitern.
Laut DW entspräche das einer Menge von rund 7 Millionen Hektolitern. Schon die vergangenen Ernten fielen kleiner aus als im Durchschnitt: 7,7 Millionen Hektoliter im Jahr 2025 und 7,8 Millionen im Jahr 2024. Nach den Zahlen des Instituts wäre die diesjährige Ernte die kleinste der drei.
Die Prognose ist noch nicht endgültig. Wie die DW anmerkt, haben einige Weinbaugebiete ihre abschließenden Schätzungen noch nicht gemeldet, sodass sich die bundesweite Zahl noch ändern kann.
Das DWI stellte zudem große Unterschiede innerhalb einzelner Anbaugebiete fest. Laut DW hingen die Erträge vor allem von zwei Faktoren ab: vom Alter der Reben und davon, wie gut der Boden Wasser speichern konnte. Ältere Reben mit tieferen Wurzeln hätten die diesjährige Trockenheit überraschend gut überstanden, so das Institut. Sie hätten sich in den vergangenen Jahren an die zunehmend trockenen Bedingungen angepasst.
Jüngere Weinberge hatten es schwerer. Das galt auch für Reben auf Böden, die weniger Wasser speichern. Wie die DW berichtet, litten sie sichtbarer unter dem Wassermangel und mussten, wo möglich, bewässert werden.
Die DW veröffentlichte die Weinprognose zusammen mit weiteren Wirtschaftsnachrichten. Im selben Überblick hieß es, der Internationale Währungsfonds habe seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft angehoben und das Statistische Bundesamt habe eine Inflationsrate von 3,3 Prozent im September bestätigt. Einen Zusammenhang zwischen diesen Meldungen und der Weinernte stellte die DW nicht her.
Warum das wichtig ist, wenn Sie in Deutschland leben
Wein gehört in weiten Teilen Deutschlands zum Alltag. Er wird in mehreren Regionen erzeugt, direkt ab Weingut verkauft und auf örtlichen Festen gefeiert. Eine Ernte, die rund ein Fünftel unter dem langjährigen Durchschnitt liegt, bedeutet spürbar weniger deutschen Wein aus den diesjährigen Trauben. Damit würde sich die Reihe unterdurchschnittlicher Ernten fortsetzen.
Für alle, die deutschen Wein kaufen, heißt das vor allem: Vom aktuellen Jahrgang wird es weniger geben. Ob sich das auf die Preise im Handel, in Restaurants oder beim Verkauf ab Weingut auswirkt, geht aus dem DW-Bericht nicht hervor, und die DWI-Prognose umfasst nach der Darstellung im Bericht keine Preise. Es ist zu früh, um zu sagen, dass Flaschen teurer werden.
Zur Einordnung: Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts im selben DW-Überblick stiegen die Lebensmittelpreise im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,4 Prozent. Eier, frisches Gemüse sowie Fisch und Meeresfrüchte wurden spürbar teurer, Butter, frisches Obst und Milchprodukte dagegen günstiger. Wein erwähnte das Amt in den von der DW wiedergegebenen Zahlen nicht.
Die Ergebnisse zeigen auch, wie sich der deutsche Weinbau verändert. Die Angaben des DWI deuten darauf hin, dass Alter der Rebanlagen und Bodenart inzwischen stark darüber entscheiden, wie ein Weingut ein trockenes Jahr übersteht. Erzeuger mit etablierten, tief wurzelnden Reben waren besser geschützt. Wer junge Anlagen oder schnell abtrocknende Böden hat, war stärker auf Bewässerung angewiesen, sofern sie möglich war. Wenn Sie Weinregionen besuchen oder bei kleinen Erzeugern kaufen, erklärt das, warum manche Winzer womöglich von einem normalen Jahr berichten, während andere in der Nachbarschaft hohe Verluste melden.
Neben dem Bericht verlinkte die DW außerdem ihre Dokumentation „Will Non-alcoholic Wine Save the Winemakers?“. Sie erinnert daran, dass die Branche nicht nur durch das Wetter unter Druck steht, auch wenn der Bericht selbst diesen Zusammenhang nicht herstellt.
Worauf Sie als Nächstes achten sollten
Der wichtigste nächste Schritt ist die abschließende Ernteschätzung. Laut DW haben einige Weinbaugebiete ihre endgültigen Zahlen noch nicht vorgelegt, die rund 7 Millionen Hektoliter des DWI sind daher eher ein Ausgangswert als eine feste Größe. Achten Sie auf aktualisierte Zahlen des Instituts, sobald alle Regionen gemeldet haben.
Auch die regionalen Ergebnisse lohnen einen Blick. Das DWI betont die großen Unterschiede innerhalb der Regionen je nach Rebalter und Boden. Die Ergebnisse einzelner Erzeuger können deshalb viel stärker schwanken, als der bundesweite Durchschnitt vermuten lässt.
Und schließlich lohnt es sich zu verfolgen, wie Winzer auf die wiederholten Trockenjahre reagieren. Die Aussagen des Instituts zur Bewässerung und zur Widerstandskraft älterer Reben deuten darauf hin, dass Wassermanagement und die Planung von Weinbergen wichtiger werden. Welche Maßnahmen Winzer oder Behörden planen, geht aus dem DW-Bericht nicht hervor. Mögliche Änderungen müssen daher bestätigt werden, sobald sie angekündigt sind.
Quelle: DW
Quellen
- DW: Germany news: Economy set for stronger growth, wine harvest hit by drought, abgerufen am 13. Oktober 2026
Deutschland für Internationale
Eine E-Mail pro Woche: die Nachrichten der Woche für Internationale in Deutschland, neue praktische Ratgeber und was sich in den Städten geändert hat. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.












