Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 14. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
René Obermann, früher Chef der Deutschen Telekom und heute Vorsitzender der US-Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus, hat kritisiert, wie die Bundesregierung die Übernahme des Berliner Softwareunternehmens PSI durch seine Firma geprüft hat. Laut Golem sagte er, einige Bundesministerien hätten „unbegründete Bedenken“ geäußert und sich sogar direkt an Kunden von PSI gewandt. Die Übernahme selbst wurde im Oktober genehmigt, allerdings unter Auflagen, die nicht öffentlich gemacht wurden.
Was passiert ist
Wie Golem berichtet, äußerte sich Obermann in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Handelsblatt. Das Bundeswirtschaftsministerium lobte er: Es habe „professionell, sachlich und schnell“ gearbeitet. Über andere Teile der Regierung urteilte er deutlich kritischer. Andere Ministerien hätten nach Obermanns Darstellung „unbegründete Bedenken“ vorgebracht. Er fügte hinzu: „Besonders bemerkenswert: Kunden des betroffenen Unternehmens wurden offenbar direkt von Ministerien angesprochen.“ Das habe unnötige Verunsicherung ausgelöst.
Grundsätzlich lehnt Obermann Investitionsprüfungen nicht ab. Ein Investitionsprüfungsgesetz würde er begrüßen, sagte er, sofern es klare Kriterien und einen verlässlichen Zeitrahmen festlegt. Zugleich sprach er sich für mehr ausländisches Kapital in Deutschland und Europa aus. Deshalb begrüße er auch den Plan der Bundesregierung, sich am 20. Oktober bei einem Investitionsgipfel mit internationalen Investoren zu treffen.
Die Übernahme war schon länger umstritten. Laut Golem hatten Sicherheitspolitiker im Bundestag bereits eindringlich vor dem Vorhaben von Warburg Pincus gewarnt, die Mehrheit an PSI zu übernehmen. PSI ist nach Angaben von Golem europäischer Marktführer bei Netzleitsystemen für Strom, Gas, Wärme, Öl und Wasser und stellt außerdem Industriesoftware her. Branchenangaben zufolge, die Golem zitiert, nutzen rund 90 Prozent aller großen und mittleren Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland Software von PSI.
Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des parlamentarischen Gremiums, das die deutschen Nachrichtendienste kontrolliert, sagte, die geplante Mehrheitsübernahme „kann als strategisches Risiko gesehen werden“. Die Regierung müsse „glasklare Vorgaben und Absicherungen für den Konfliktfall“ festlegen. Und weiter: „Wer kritische Infrastruktur an ausländische Investoren verkauft, verkauft Stück für Stück die Souveränität des Landes.“
Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion und stellvertretender Vorsitzender desselben Kontrollgremiums, sagte, die Nachrichtendienste hätten wiederholt darauf hingewiesen, dass solche Übernahmen „in der Regel nicht ohne Hintergedanken erfolgen“. Es gebe guten Grund zu der Annahme, „dass Teile der Lebensadern unseres Staates strategisch aufgekauft werden, um uns auszuspionieren“. Er forderte die Regierung auf, endlich „echte politische Schritte“ gegen strategische Übernahmen zu unternehmen. „Bislang tut sie das nicht, und teilweise tritt sie sogar als Türöffner auf“, sagte er.
Laut Golem genehmigte das Bundeswirtschaftsministerium die Mehrheitsübernahme von PSI durch Warburg Pincus im Oktober unter geheim gehaltenen Auflagen.
Warum das für Sie in Deutschland wichtig ist
Die meisten Menschen in Deutschland werden den Namen PSI nie hören, doch die Software des Unternehmens steckt ganz nah am Alltag. PSI entwickelt Prozessleit- und Informationssysteme für Energienetzbetreiber, die Industrie und die Logistik. Golem nennt als Geschäftsbereiche Grid & Energy Management, Process Industries & Metals, Discrete Manufacturing und Logistics. Stimmen die Branchenangaben, wonach rund 90 Prozent der großen und mittleren Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland PSI-Software nutzen, dann hängen die Systeme, mit denen Strom und Gas für Wohnungen und Arbeitsplätze gesteuert werden, stark von diesem einen Anbieter ab.
Deshalb geht die Debatte über ein gewöhnliches Geschäft hinaus. Die von Golem zitierten Kritiker sorgen sich nicht in erster Linie um Preise oder Arbeitsplätze. Ihnen geht es darum, wem Software gehört, die kritische Infrastruktur steuert, wer sie kontrolliert und was in einer Krise passieren könnte. Die Genehmigung wurde zwar mit Auflagen erteilt, doch diese sind geheim. Die Bevölkerung kann also nicht nachvollziehen, welche Schutzvorkehrungen gelten.
Der Fall zeigt auch ein grundsätzliches Spannungsfeld der deutschen Politik. Die Regierung will internationales Kapital anziehen, und Obermann verweist auf den Investitionsgipfel als Beleg dafür. Gleichzeitig warnen Abgeordnete, die für die Kontrolle der Nachrichtendienste zuständig sind, dass manche ausländische Übernahmen die nationale Sicherheit schwächen könnten. Wenn Sie in Deutschland in der Tech-, Energie- oder Industriebranche arbeiten oder bei einem Unternehmen, das für ausländische Investoren interessant sein könnte, können die Regeln, die aus dieser Debatte hervorgehen, beeinflussen, wie solche Geschäfte geprüft werden und wie lange das dauert.
PSI ist zudem tief in Berlin verwurzelt. Wie Golem schreibt, gründeten sechs Beschäftigte des Elektrokonzerns AEG das Unternehmen 1969 in Berlin, und sein Hauptsitz ist bis heute in der Hauptstadt.
Worauf Sie als Nächstes achten sollten
Der erste wichtige Termin ist der Investitionsgipfel der Bundesregierung am 20. Oktober, bei dem sie sich mit internationalen Investoren treffen will. Obermann hat den Gipfel begrüßt. Er könnte zeigen, wie Berlin das Werben um ausländisches Kapital mit Sicherheitsbedenken in Einklang bringen will.
Der zweite Punkt ist das Gesetz zur Investitionsprüfung. Obermann sagte, er würde ein Investitionsprüfungsgesetz mit klaren Kriterien und einem verlässlichen Zeitrahmen unterstützen, und Oppositionspolitiker wie von Notz fordern ein entschiedeneres Vorgehen gegen strategische Übernahmen. Wie ein solches Gesetz kritische Infrastruktur definiert und wie transparent es das Prüfverfahren macht, wird für künftige Geschäfte wie dieses von Bedeutung sein.
Und schließlich bleiben die Auflagen, unter denen die PSI-Übernahme genehmigt wurde, vertraulich. Ob Abgeordnete mehr Details zu diesen Schutzvorkehrungen einfordern und ob die Vorwürfe, Ministerien hätten Kunden von PSI kontaktiert, weiter Beachtung finden, lohnt sich zu verfolgen.
Quelle: Golem
Quellen
- golem: US-Finanzinvestor: Warburg Pincus kritisiert genaue Prüfung der PSI-Übernahme, abgerufen am 14. Oktober 2026
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