Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 30. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Die hessische Bezahlkarte für Asylsuchende wird jetzt in allen Landkreisen und kreisfreien Städten des Landes ausgegeben, auch in Frankfurt. In Frankfurt erhalten sie nur neu zugewiesene Geflüchtete. Wer bereits Leistungen bezog, behält die bisherige Regelung, berichtet die hessenschau.
Was passiert ist
Nach Angaben der hessenschau, des regionalen Nachrichtenangebots des öffentlich-rechtlichen Hessischen Rundfunks (hr), teilte das hessische Sozialministerium am Donnerstag mit, dass die Bezahlkarte nun in allen Landkreisen und kreisfreien Städten im Einsatz ist. Alle 28 kommunalen Leistungsbehörden in Hessen nutzen inzwischen das System.
Die Karte ist eine blaue VISA-Debitkarte. Das Land gab die ersten Karten im Dezember 2024 in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen aus, danach kamen die Kommunen nach und nach hinzu. Laut Ministerium waren am 2. Oktober hessenweit 12.531 Karten aktiv.
Marburg kam als letzte Kommune hinzu. Nach einer Testphase startete die Stadt am Mittwoch, 21. Oktober. Seitdem seien ihr erst zwei Personen mit Karte aus der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung zugewiesen worden, so die Stadt. Auch Hanau und der Werra-Meißner-Kreis sind in diesem Monat gestartet. Hanau hat seit dem 1. Oktober acht Karten ausgegeben.
Auch in Frankfurt verzögerte sich der Start. Die Fachsoftware der Stadt ließ sich zunächst nicht an das System des Landes anbinden. Seit August funktioniere die Karte zuverlässig, teilt die Stadt mit.
Was das für Sie bedeutet
Die Änderung betrifft Menschen, die in Hessen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Das berichtet die Quelle darüber, wie die Karte funktioniert:
- In Frankfurt erhalten nur Neuankömmlinge die Karte. Die Stadt gibt die Bezahlkarte nur an neu zugewiesene Geflüchtete aus. Bestehende Fälle, sogenannte Bestandsfälle, werden nicht umgestellt.
- Über Bestandsfälle entscheidet jede Kommune selbst. Die Kommunen können wählen, ob sie Menschen, die bereits Leistungen beziehen, ebenfalls eine Karte geben. Das Land erfasst nicht, wie viele bisherige Leistungsbeziehende noch keine Karte haben.
- Bargeld ist begrenzt. Grundsätzlich können Karteninhaber höchstens 50 Euro im Monat in bar abheben. Ausnahmen im Einzelfall sind möglich.
- Keine Überweisungen ins Ausland. Mit der Karte können Sie kein Geld in ein anderes Land schicken.
- Leistungen können eingefroren werden. Der Landkreis Fulda gibt an, er könne Zahlungen bei unerlaubter Abwesenheit oder Abschiebung sofort stoppen und ein verbleibendes Guthaben zurückholen.
Wenn Sie neu Frankfurt zugewiesen werden, sollten Sie damit rechnen, Ihre Leistungen auf die Karte zu bekommen. Wenn Sie in Frankfurt bereits Leistungen erhalten, wird Ihr Fall laut Stadt nicht umgestellt. Wenn Sie mehr Bargeld brauchen, als die Grenze von 50 Euro zulässt, fragen Sie bei Ihrer Leistungsstelle nach, ob für Sie eine Ausnahme im Einzelfall infrage kommt, denn laut Quelle sind Ausnahmen möglich. Wenn Sie innerhalb Hessens umgezogen sind oder einem anderen Ort zugewiesen wurden, erkundigen Sie sich bei der dortigen Stelle, denn die Regeln für Bestandsfälle unterscheiden sich von Ort zu Ort.
Meinungen zur Karte
Hessens Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) sagte dem hr, die Karte sei hessenweit rechtssicher und diskriminierungsfrei eingeführt worden. Die Kommunen meldeten, dass sie die Behörden entlaste und Bürokratie abbaue. Dem Ministerium sind nach eigenen Angaben keine grundsätzlichen technischen oder betrieblichen Probleme bekannt, und es habe keine Meldungen über strukturelle Schwierigkeiten mit dem Handel gegeben.
Kritiker sehen das anders. Isse, ein Geflüchteter aus Darmstadt, nutzte die Karte Anfang 2025 fast sechs Monate lang. Er sagte dem hr, die Bargeldgrenze habe es ihm schwer gemacht, auf Flohmärkten einzukaufen oder günstigere Lebensmittel zu kaufen. Er schilderte außerdem, wie in einem Café seine Kartenzahlung abgelehnt wurde, während er kein Bargeld dabeihatte, und sagte, er habe sich dadurch wie ein Krimineller behandelt gefühlt.
Hannah Kentouche von der Initiative „Frankfurt sagt Nein zur Bezahlkarte“ sagte dem hr, das System schränke die Selbstbestimmung von Geflüchteten ein und stigmatisiere sie. Geflüchtete würden unter Generalverdacht gestellt, und die Karte führe zu Diskriminierung. Außerdem schaffe sie mehr Bürokratie statt weniger. Die Initiative fordert, die Karte abzuschaffen und die Leistungen ohne Einschränkungen auszuzahlen.
Wie es weitergeht
Hanau will die Karte ab November an Menschen ohne eigenes Bankkonto ausgeben und bis Juli nächsten Jahres schrittweise alle bestehenden Leistungsfälle umstellen. Marburg teilt mit, dass Menschen, die dort bereits Leistungen erhalten, vorerst keine Karte bekommen. In Frankfurt setzt sich die Frankfurter Initiative weiterhin für die Abschaffung der Karte ein.
Quelle: hessenschau
Quellen
- hessenschau: Bezahlkarte für Geflüchtete jetzt in allen hessischen Kommunen, abgerufen am 30. Oktober 2026
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