Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 14. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch einen Gesetzentwurf für eine neue Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke beschlossen. Dadurch könnten manche Säfte, Limonaden und andere gesüßte Getränke ab Mitte 2027 teurer werden. Laut The Local Germany muss der Bundestag dem Vorhaben noch zustimmen, bevor es Gesetz wird.
Was passiert ist
Wie The Local Germany berichtet, hat das Kabinett dem Vorschlag nach wochenlangem öffentlichem Streit innerhalb der Regierungskoalition zugestimmt. Das Bundeskanzleramt griff in letzter Minute ein. Treibende Kraft hinter der Abgabe ist Finanzminister Lars Klingbeil.
Der Kompromiss sieht zwei Steuerstufen vor:
- Getränke mit mindestens fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter würden mit 26 Cent pro Liter besteuert.
- Getränke mit acht Gramm oder mehr pro 100 Milliliter würden mit 32 Cent pro Liter besteuert.
Zahlen müssten die Steuer die Hersteller, nicht die Geschäfte oder die Verbraucher. Jeder Hersteller kann selbst entscheiden, ob er sie ganz oder teilweise an die Kundschaft weitergibt oder den Zuckergehalt seiner Produkte senkt. Kleinere Hersteller, die weniger als eine Million Liter zuckerhaltiger Getränke pro Jahr produzieren, wären von der Steuer befreit.
Laut The Local Germany verfolgt die Abgabe zwei Ziele. Das erste ist die Gesundheit der Bevölkerung: Klingbeil argumentiert, dass höhere Preise die Hersteller dazu bringen, weniger Zucker zu verwenden, und so helfen, übermäßigen Zuckerkonsum zu verringern, vor allem bei Kindern. Das zweite Ziel sind Einnahmen. Die Bundesregierung rechnet für 2027 mit rund 690 Millionen Euro, 2028 sollen es 925 Millionen Euro sein. Das Geld soll dazu beitragen, die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stabil zu halten.
Vorbild für die Steuer ist Berichten zufolge die britische Zuckerabgabe, die seit 2018 gilt. Wie The Local Germany berichtet, hat das britische System, das zuckerreichere Getränke stärker besteuert, viele Hersteller dazu gebracht, ihre Rezepturen zu ändern. Infolgedessen sank der Zuckergehalt britischer Softdrinks im Durchschnitt um rund ein Drittel, in einigen Fällen sogar um bis zu 50 Prozent.
Der Weg zu diesem Beschluss war schwierig. Ein durchgesickerter Entwurf des Finanzministeriums hatte nahegelegt, dass die Steuer auch Haferdrinks, fertige Kaffeegetränke und sogar Getränke mit künstlichen Süßstoffen erfassen könnte. Diese Idee stieß sofort auf heftigen Widerstand, am lautesten von Politikerinnen und Politikern der Unionsparteien und von Agrarministern unionsgeführter Länder. Anfang dieses Monats stoppte das Kanzleramt Klingbeils Pläne faktisch mit der Begründung, sie wichen von den Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit der Bundesregierung ab und würden kaum ausreichend Unterstützung finden. Zuletzt drehte sich der Streit um Aufbau und Höhe der Steuer. Die Minister verzichteten auf eine vorgeschlagene höhere Stufe und kehrten zu einem einfacheren Modell mit zwei Stufen zurück.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie in Deutschland Softdrinks, Säfte oder andere gesüßte Getränke kaufen, könnten manche davon ab Mitte 2027 teurer werden, sofern der Bundestag das Gesetz verabschiedet. Ob die Preise im Regal tatsächlich steigen, hängt vom jeweiligen Hersteller ab, denn die Steuer wird bei den Produzenten erhoben, und diese entscheiden, wie viel sie weitergeben.
Aus dem Bericht von The Local Germany ergeben sich drei Punkte, die Sie im Blick behalten sollten:
- Achten Sie auf das Etikett. Die Stufen richten sich nach dem Zuckergehalt pro 100 Milliliter. Getränke mit weniger als fünf Gramm würden nicht besteuert, für Getränke mit acht Gramm oder mehr gälte der höhere Satz.
- Achten Sie auf geänderte Rezepturen. Folgt Deutschland dem britischen Muster, könnten manche Marken den Zuckergehalt senken, um in eine niedrigere Stufe zu rutschen oder ganz aus der Steuer herauszufallen.
- Wissen Sie, was nicht erfasst ist. Der durchgesickerte Plan, auch Haferdrinks, fertige Kaffeegetränke und Getränke mit Süßstoffen zu besteuern, stieß auf starken Widerstand. Der endgültige Kompromiss konzentriert sich auf zuckerhaltige Getränke in zwei Stufen. The Local Germany führt nicht jede erfasste Produktkategorie einzeln auf.
Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, sollen die Einnahmen helfen, Ihre Beiträge stabil zu halten. Wie stark sich das auf die Beiträge im Einzelfall auswirken würde, geht aus der Quelle nicht hervor.
Wie es weitergeht
Der Gesetzentwurf geht nun an den Bundestag. Laut The Local Germany kann er erst in Kraft treten, wenn das Parlament zugestimmt hat. Steuerstufen, Steuersätze und Starttermin könnten sich in diesem Verfahren also noch ändern.
Auch der Streit um Lobbyeinfluss ist weiter verfolgenswert. Die Verbraucherorganisation Foodwatch und der Grünen-Gesundheitspolitiker Johannes Wagner haben angedeutet, dass der Widerstand in der Union durch Druck der Lebensmittelindustrie und der von ihnen so bezeichneten „Zuckerlobby“ verstärkt worden sei. Da die Koalition so hart um diesen Kompromiss gerungen hat, dürfte es weitere Auseinandersetzungen geben, sobald die Abgeordneten über den Entwurf beraten.
Quelle: The Local Germany
Quellen
- The Local Germany: Germany’s sugar tax passed by cabinet after last-minute agreement, abgerufen am 14. Oktober 2026
Deutschland für Internationale
Eine E-Mail pro Woche: die Nachrichten der Woche für Internationale in Deutschland, neue praktische Ratgeber und was sich in den Städten geändert hat. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.












