Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 18. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Oliver Blatt, Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, des Dachverbands der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, fordert, dass Ärztinnen und Ärzte Termine nach medizinischem Bedarf vergeben und nicht danach, wie ein Patient versichert ist. Gegenüber der Funke Mediengruppe sagte er, gesetzlich Versicherte würden bei der Terminvergabe oft benachteiligt. Das sei „eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“.
Was passiert ist
Nach Angaben der tagesschau sagte Blatt, gesetzlich Versicherte müssten bei der Vergabe von Arztterminen bessergestellt werden. Gemeint ist die sogenannte Terminvergabe. Der Zugang zur ambulanten Versorgung, also zur Behandlung in der Arztpraxis statt im Krankenhaus, solle so organisiert werden, „dass Termine nach medizinischem Bedarf vergeben werden und nicht danach, wie jemand versichert ist“.
Blatt wies darauf hin, dass 75 Millionen Menschen in Deutschland in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert sind. Diese Gruppe zahle den mit Abstand größten Teil der ärztlichen Honorare, komme bei der Terminvergabe aber oft zu kurz. Er bezeichnete dies als „himmelschreiende Ungerechtigkeit“.
Den Begriff Zwei-Klassen-Medizin wies Blatt zugleich zurück. Krankenhäuser und die meisten Ärztinnen und Ärzte behandelten gesetzlich Versicherte genauso gut wie Privatpatienten. Die Ungleichbehandlung zeige sich vor allem bei den Wartezeiten. „Ärzte sollen weiterhin Privatpatienten behandeln, sie aber nicht automatisch bevorzugen“, sagte er laut tagesschau.
Seine Äußerungen fallen in eine breitere Debatte. Wie die tagesschau berichtet, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz im September Fragen zum dualen System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung in Deutschland aufgeworfen. Merz sagte, es gebe ein Gerechtigkeitsproblem, wenn bei den Menschen der Eindruck entstehe, dass Privatpatienten bevorzugt behandelt würden, und deutete mögliche Änderungen an.
Was das für Sie bedeutet
Vorerst ändert sich nichts. Bei Blatts Vorstoß handelt es sich um eine Forderung des Verbands, der die gesetzlichen Krankenkassen vertritt. Es ist kein neues Gesetz und keine neue Regel, und die Quelle nennt weder ein Datum noch eine Frist oder eine konkrete Maßnahme. Arztpraxen vergeben Termine derzeit so wie bisher.
Am wichtigsten ist die Debatte für gesetzlich Versicherte, also für die 75 Millionen Menschen, von denen Blatt sprach. Wenn Sie bei einer Krankenkasse versichert sind und erlebt haben, dass eine Praxis Ihnen einen späteren Termin anbietet als einem privat versicherten Freund oder Kollegen, dann ist das genau das Problem, das Blatt beschreibt. Laut tagesschau sieht er den Unterschied vor allem bei den Wartezeiten, nicht in der Qualität der Behandlung, wenn Sie erst einmal an der Reihe sind.
Wenn Sie eine private Krankenversicherung haben: Die Quelle sagt nicht, dass Ihr Zugang zur Versorgung eingeschränkt würde. Blatt sagte ausdrücklich, dass Ärztinnen und Ärzte weiterhin Privatpatienten behandeln, sie aber nicht automatisch bevorzugen sollen.
Für Neuankömmlinge ist es hilfreich zu wissen, zu welchem System sie gehören, denn viele Praxen fragen bei der telefonischen Terminvereinbarung nach der Versicherung. Ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind, sehen Sie auf Ihrer Versichertenkarte und in den Unterlagen Ihrer Versicherung.
Wie es weitergeht
Entscheidend ist, ob die Bundesregierung aus den Äußerungen von Merz im September konkrete Vorschläge macht. Laut tagesschau stellte er Änderungen am dualen System in Aussicht, der Bericht nennt jedoch weder Einzelheiten noch einen Zeitplan.
Die Debatte läuft zudem parallel zur umfassenderen Reform der gesetzlichen Krankenversicherung durch die Bundesregierung. Die tagesschau hatte bereits berichtet, dass dieses Reformpaket den Anstieg der Ausgaben im Gesundheitssystem bremsen soll. Mögliche Änderungen bei der Terminvergabe könnten Teil dieser Diskussion werden. Gesetzlich Versicherte sollten auf Ankündigungen der Bundesregierung und ihrer eigenen Krankenkasse achten.
Quelle: tagesschau
Quellen
- tagesschau: GKV-Verbandschef fordert Besserstellung gesetzlich Versicherter, abgerufen am 18. Oktober 2026
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