Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 18. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Fast jede fünfte Frau in den Wechseljahren denkt in Deutschland wegen ihrer Beschwerden darüber nach, früher in Rente zu gehen. Das berichtet die tagesschau. Der Beitrag stützt sich auf einen neuen Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Er kommt zu dem Schluss, dass Arbeitgeber und Ärzte noch nicht darauf vorbereitet sind, was die Wechseljahre für das Berufsleben bedeuten.
Was passiert ist
Die tagesschau hat einen Bericht darüber veröffentlicht, wie Wechseljahresbeschwerden Frauen im Job beeinträchtigen. Im Mittelpunkt steht eine 54-jährige Lehrerin an einer Berufsschule, die die tagesschau Antje Krause nennt. Das ist nicht ihr richtiger Name. Sie schildert starke, unregelmäßige Blutungen, die lange Unterrichtsstunden schwierig machen. „Wenn ich 90 Minuten Unterricht bis zur nächsten Pause habe, frage ich mich schon, ob ich das schaffe oder ob ich mittendrin abbrechen muss“, sagte sie der tagesschau. In manchen Klassen kann sie Gruppenarbeit aufgeben, um für den Gang zur Toilette den Raum zu verlassen. In anderen geht das nicht.
Krause sagt, sie habe die ersten Veränderungen Mitte 40 bemerkt. Mit 50 hatte sie nach eigenen Worten einen ganzen „Strauß“ an Beschwerden: Stimmungsschwankungen, Unterleibsschmerzen, Gehirnnebel, Haarausfall, Gelenkschmerzen und Migräne. Immer wieder ging sie zu Ärzten. Sie bekam ein Antidepressivum und Nahrungsergänzungsmittel verschrieben, und weil die Ärzte Multiple Sklerose vermuteten, wurde sogar eine Lumbalpunktion gemacht. Erst durch Gespräche mit Freundinnen brachte sie ihre Beschwerden mit der Perimenopause in Verbindung, der frühen Phase der Wechseljahre. Laut tagesschau befinden sich in Deutschland neun bis elf Millionen Menschen in dieser Phase, 85 Prozent von ihnen haben ähnliche Beschwerden.
Miriam Stein hat den Bericht „Gleichberechtigt in den Wechseljahren“ zusammen mit Franzi von Kempis verfasst. In der ARD-Dokumentation „Wechseljahre – Zu heiß für Deutschland?“ sagte Stein, dass viele Ärztinnen und Ärzte, auch in der Gynäkologie, nicht ausreichend auf die Wechseljahre vorbereitet seien. Zum Schlafmangel sagte sie: „Die UN stuft Schlafentzug als Foltermethode ein, da ist es kein Wunder, dass eine Frau Gehirnnebel hat. Und das wirkt sich immer auf ihre Arbeitsfähigkeit aus.“
Ärzte empfehlen häufig Krafttraining. Krause erzählte der tagesschau, dass das Fitnessstudio für sie zu einer zusätzlichen Belastung wurde. Gerüche, Licht und Musik waren ihr zu viel. Heute geht sie stattdessen mit ihrem Hund spazieren. Außerdem reist sie im Wohnmobil, damit immer eine Toilette in der Nähe ist, hat sich die Spirale entfernen lassen, was nach ihren Worten ihre Hormone ins Gleichgewicht gebracht hat, und nimmt Nahrungsergänzungsmittel wie Eisen. An ihrer Schule haben Lehrerinnen einen Korb mit Hygieneartikeln in die Toiletten gestellt. Sie wünscht sich „mehr Ruheräume, ruhigere Rückzugsorte“.
Warum das für Sie in Deutschland wichtig ist
Die Studien, die Stein und von Kempis ausgewertet haben, deuten darauf hin, dass die Folgen weit über individuelles Unwohlsein hinausgehen. Laut tagesschau denkt jede vierte weibliche Führungskraft darüber nach, sich aus einer Leitungsposition zurückzuziehen. Frauen zwischen 40 und 50 gehen in dieser Lebensphase außerdem häufiger zum Arzt und verdienen weniger als zuvor. Stein argumentiert, dass die Wechseljahre deshalb neben der Mutterschaft ein weiteres Armutsrisiko für Frauen sein könnten.
Das betrifft Branchen, in denen viele Zugezogene arbeiten oder auf die sie angewiesen sind. Frauen zwischen 40 und 59 gehören laut tagesschau zu den Gruppen mit der höchsten Erwerbsquote in Deutschland, und viele arbeiten in Bereichen mit Fachkräftemangel, etwa in der Pflege und an Schulen. Pflegekräfte sagten immer wieder dasselbe, berichtete Pascale Hilberger-Kürlum, Vizepräsident des Deutschen Pflegerats: „Der erste Satz ist immer: Ich liebe meinen Beruf. Und der zweite Satz ist immer: Ich schaffe es nicht mehr.“ Ferda Ataman, die Unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, sagte, die Gesellschaft sei auf leistungsstarke Frauen in den Wechseljahren angewiesen.
Nach Steins Worten sind einige Gruppen besonders stark betroffen, weil das Gesundheitssystem sie oft übersieht: Frauen auf dem Land, Frauen mit Migrationshintergrund, Frauen mit geringem Einkommen, Frauen mit Behinderung sowie trans und intergeschlechtliche Menschen. Wenn Sie nach Deutschland gezogen sind und mit solchen Beschwerden zu tun haben, könnte es für Sie dem Bericht zufolge schwieriger als für die meisten sein, eine klare Diagnose zu bekommen.
Für Beschäftigte und Arbeitgeber hängen die richtigen Lösungen laut Stein von der jeweiligen Tätigkeit ab. Sie nennt flexible Arbeitszeiten, angemessene Raumtemperaturen, die Möglichkeit, sich bei der Arbeit umzuziehen, und für Frauen, die im Freien arbeiten, den Zugang zu Toiletten. Außerdem sollten nach ihren Worten Betriebsärztinnen und Betriebsärzte zu dem Thema geschult werden und Beratung anbieten. Sie vergleicht das mit der Rückenschmerzprävention im betrieblichen Gesundheitsmanagement, die nach ihren Worten viele Kolleginnen und Kollegen genutzt haben, ohne dass es ihrem Ansehen geschadet hätte: „Im einen Fall ist es der Rücken, im anderen sind es die Wechseljahre.“
Was als Nächstes zu beobachten ist
Die tagesschau verweist auf Großbritannien als Beispiel. Ab 2027 müssen britische Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten eine Strategie zu den Wechseljahren haben. In Deutschland gibt es dem Bericht zufolge keine vergleichbare Regel. Es lohnt sich also zu beobachten, ob die Ergebnisse der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hierzulande zu Schritten der Politik oder der Arbeitgeber führen.
Stein sieht das Thema auch als Frage der Diskriminierung. Frauen seien früher als Männer mit altersbezogenen Vorurteilen konfrontiert, sagt sie, und eine Frau im Job schlechter zu behandeln oder ihr weniger zuzutrauen, habe „natürlich etwas mit Diskriminierung zu tun“. Krause hält offene Gespräche für entscheidend, gerade weil nicht jede Frau ihr Leben so umstellen kann wie sie: „Wir dürfen nicht vergessen: Wir sind die erste Generation, die offen darüber spricht. Männer müssen das gemeinsam mit uns lernen.“ Das Thema war auch in der WDR 2-Morgensendung Der Morgen zu hören.
Quelle: tagesschau
Quellen
- tagesschau: Wechseljahre im Job: Wie Hitzewallungen den Arbeitsalltag erschweren, abgerufen am 18. Oktober 2026 (archivierte Kopie)
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