Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 3. November 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Die Polizei in Deutschland ermittelt in mehreren Fällen, in denen Hacker offenbar die Temperatur von Kühlanlagen in Supermärkten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erhöht haben. Lebensmittel verdarben und mussten weggeworfen werden, wie das deutsche Tech-Magazin t3n berichtet.
Was passiert ist
Laut t3n reihen sich die deutschen Fälle in eine Serie von Cyberangriffen auf Kühlanlagen in Supermärkten in ganz Europa ein. Nach Angaben der Polizei drangen Kriminelle in die Systeme von Tiefkühl- und Kühlgeräten in Supermärkten ein und drehten die Temperaturen hoch. Das Magazin beschreibt den Schaden für die betroffenen Geschäfte als erheblich.
Nordrhein-Westfalen
Polizeisprecher sagten, Kühlanlagen in Wuppertal, in Wetter bei Hagen und im Münsterland seien vermutlich durch einen Hackerangriff außer Betrieb gesetzt worden. Die Temperatur sei so hoch eingestellt worden, dass Lebensmittel verdarben und entsorgt werden mussten.
In Wuppertal ist nach Angaben eines Polizeisprechers in einem Supermarkt eine große Menge Ware verdorben, offenbar weil Hacker die Temperatur der Kühlsysteme aus der Ferne erhöht hatten. Der Angriff ereignete sich am Wochenende und wurde am Morgen des 2. November entdeckt.
Ebenfalls betroffen war ein Supermarkt in Wetter-Volmarstein im Ennepe-Ruhr-Kreis, den die Arbeiterwohlfahrt betreibt, einer der großen Wohlfahrtsverbände in Deutschland. Nach Angaben des Marktes richtete sich der Angriff eigentlich gegen das Unternehmen, das seine Kühlanlagen aus der Ferne wartet. Große Mengen an Lebensmitteln mussten weggeworfen werden.
Auch in Raesfeld im Münsterland fiel in einem Supermarkt die Kühlung aus. Die Ermittler prüfen nun, ob ein Hackerangriff die Ursache war.
Niedersachsen
In Lilienthal bei Bremen fiel die Kühlkette eines Supermarkts zeitweise aus. Inhaber Daniel Breiding sagte gegenüber Journalisten: „Wir mussten Ware im Wert von mehr als 360.000 Euro wegwerfen.“ In der Nacht zum 2. November fielen die Bedientheken, Kühlräume und Tiefkühlgeräte des Marktes aus, die Geräte erwärmten sich auf 30 Grad.
Ein europaweites Muster
Wie t3n berichtet, haben Cyberkriminelle in den vergangenen Tagen unter anderem in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden Kühl- und Tiefkühlgeräte wärmer gestellt. Ein belgischer Kältetechnik-Dienstleister erklärte, die Anlagen seien aus der Ferne in den Abtaumodus geschaltet worden.
Bereits Mitte Oktober hatte es einen großangelegten Angriff gegeben, der Filialen mehrerer großer französischer Lebensmittelketten traf. Dieser Angriff richtete sich gegen einen Technologiedienstleister, die Ermittlungen übernahm die Abteilung für Cyberkriminalität der Pariser Staatsanwaltschaft.
Warum das für Sie in Deutschland wichtig ist
Die Vorfälle zeigen, dass die Anlagen, die in Supermärkten Lebensmittel kühlen, mit Netzwerken verbunden sind und sich aus der Ferne steuern lassen. In mindestens zwei der von t3n beschriebenen deutschen Fälle lag die Schwachstelle nicht beim Geschäft selbst, sondern bei externen Dienstleistern. Der Markt in Wetter-Volmarstein gab an, der Angriff habe die Firma getroffen, die seine Kühlanlagen aus der Ferne wartet, und auch der frühere Angriff in Frankreich zielte auf einen Technologiedienstleister.
Für Kundinnen und Kunden bestand die bisher gemeldete Folge in verdorbener Ware, die die Geschäfte wegwerfen mussten. Für die Inhaber der Märkte können die finanziellen Verluste hoch sein, wie die Zahl aus Lilienthal zeigt. Wenn es kleinere Betriebe oder einen von einem Wohlfahrtsverband betriebenen Markt trifft, kann ein Schaden dieser Größenordnung schwer wiegen.
Wichtig ist das Thema auch für alle, die Betriebe führen oder in Betrieben arbeiten, die auf vernetzte Gebäude- oder Betriebstechnik angewiesen sind. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) forderte größere Anstrengungen zum Schutz digitaler Gebäude- und Betriebstechnik. Er wies darauf hin, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereits vor den jüngsten Angriffen ähnliche Appelle veröffentlicht habe.
Im Gespräch mit dem Nachrichtensender Welt TV sagte Wildberger: „Das zeigt zunächst einmal, dass wir in einer Welt leben, in der Cybersicherheit leider immer wichtiger wird. Das heißt auch, dass alle Unternehmen, und das gilt auch für die öffentliche Verwaltung, mehr Vorsorge treffen müssen.“
Wie es weitergeht
Die Europäische Kommission hat zwei Krisensitzungen einberufen. Ein Kommissionssprecher in Brüssel sagte, sie dienten vor allem dazu, Informationen auszutauschen und die nächsten Schritte abzustimmen. An der ersten Runde nahmen unter anderem Enisa, die Cybersicherheitsagentur der EU, die Polizeibehörde Europol und die zuständigen Fachleute der Kommission teil. Zudem wurde das europäische Netzwerk für Cyberkrisen aktiviert.
Nach Angaben des Sprechers führen die nationalen Behörden die Ermittlungen, die Kommission steht mit ihnen in engem Kontakt. Wer hinter den Angriffen steckt, ist noch unklar. Die Vorfälle zeigten, so der Sprecher weiter, dass Europa sich gemeinsam auf Angriffe dieser Art vorbereiten müsse.
In Deutschland ist vor allem offen, ob die Polizei in Raesfeld einen Hackerangriff als Ursache bestätigt, ob weitere Märkte ähnliche Probleme melden und ob sich die Fälle in den verschiedenen Ländern auf einen gemeinsamen Dienstleister oder eine einzige Angreifergruppe zurückführen lassen. Für Betriebe, die ferngewartete Kühl- oder Gebäudesysteme nutzen, kann es zudem sinnvoll sein zu verfolgen, welche weiteren Hinweise das BSI und die EU-Stellen im Laufe der Ermittlungen veröffentlichen.
Quelle: t3n
Quellen
- t3n: Cyberangriffe auf Kühlschränke: Auch deutsche Supermärkte sind betroffen, abgerufen am 3. November 2026
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