Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 14. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Künstliche Intelligenz hat in Deutschland bislang keine Arbeitsplätze vernichtet. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit. Beschäftigte ab 30 Jahren in Berufen, die besonders stark von KI betroffen sind, haben sich seit 2022 sogar besser entwickelt. Für junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens ist das Bild dagegen weniger eindeutig.
Was passiert ist
Das IAB hat Berufe, die seine Forschenden als stark KI-exponiert einstufen, mit weniger exponierten Berufen verglichen. Dabei untersuchten sie, wie sich die Beschäftigung in beiden Gruppen seit 2022 verändert hat. Wie heise online berichtet, hat sich die Beschäftigung in den stärker exponierten Berufen günstiger entwickelt als in den weniger exponierten. Das widerspricht der verbreiteten Sorge, KI könnte sich als Jobkiller erweisen.
Bei älteren Beschäftigten ist der Unterschied groß. In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen lag das Beschäftigungswachstum in KI-exponierten Berufen um fast 6 Prozentpunkte höher als in weniger exponierten. Bei den 40- bis 64-Jährigen betrug der Unterschied rund 5 Prozentpunkte.
Bei jüngeren Beschäftigten sieht es anders aus. Für die 20- bis 29-Jährigen fanden die Forschenden einen leicht negativen Zusammenhang. Die Vollzeitbeschäftigung in stark KI-exponierten Berufen ging um 1,2 Prozentpunkte stärker zurück als in weniger exponierten. Das IAB betont, dass dieser Zusammenhang noch nicht statistisch signifikant ist. Die Studie belegt also nicht, dass KI den Rückgang verursacht hat.
Die Hauptursache für die schwierige Lage junger Menschen am Arbeitsmarkt sieht das Institut in der schwachen Konjunktur. IAB-Forscher Oliver Schlenker sagte, vor allem die wirtschaftliche Schwäche der vergangenen Jahre habe zur sinkenden Beschäftigung junger Arbeitskräfte beigetragen, der Einfluss von KI habe insgesamt wohl eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Er fügte hinzu, dass die Arbeitsplätze junger Beschäftigter generell besonders konjunkturanfällig seien.
Ein mögliches Warnsignal hat die Studie allerdings gefunden. Im verarbeitenden Gewerbe und in Berufen, für die in der Regel kein Hochschulabschluss nötig ist, geht eine höhere KI-Exposition bei den 20- bis 29-Jährigen mit einer schwächeren Beschäftigungsentwicklung einher. Melanie Arntz, stellvertretende Direktorin des IAB, fasste das Gesamtergebnis so zusammen: „Eine höhere KI-Exposition bedeutet nicht zwangsläufig eine schwächere Beschäftigungsentwicklung.“ Sie ergänzte, dass KI als Faktor dennoch weiter beobachtet werden müsse.
Die Ergebnisse des IAB decken sich mit anderen aktuellen Analysen des deutschen Tech-Arbeitsmarkts, schreibt heise online. Der Digitalverband Bitkom stellte fest, dass die Zahl offener IT-Stellen deutlich gesunken ist, und führte das vor allem auf die schwache Konjunktur zurück. Laut Bitkom gibt es keinen spürbaren Abbau von IT-Arbeitsplätzen durch KI, und die meisten Unternehmen rechnen auch nicht damit. Auch das Jobportal Indeed verzeichnete einen starken Rückgang bei Einstiegsstellen in der IT, in anderen Wissensberufen und in der Büroarbeit, erklärte aber, seine Daten zeigten bislang nicht, dass KI dahinterstecke.
Warum das wichtig ist, wenn Sie in Deutschland leben
Viele Internationals in Deutschland arbeiten genau in den Berufen, um die sich die Sorgen drehen: Softwareentwicklung, Büroverwaltung, Analyse und andere Wissensarbeit. Für erfahrene Beschäftigte ab 30 Jahren sind die IAB-Daten beruhigend. In Deutschland ging die Arbeit in einem KI-exponierten Beruf bisher mit stärkerem Beschäftigungswachstum einher, nicht mit schwächerem.
Schwieriger ist die Lage für Absolventinnen und Absolventen sowie Berufseinsteiger, auch für Menschen, die zum Studium nach Deutschland gekommen sind und für ihren ersten Job bleiben möchten. Einstiegsstellen sind schwerer zu finden. IAB, Bitkom und Indeed sehen den Grund dafür jedoch vor allem in der Konjunktur, nicht in KI. Wenn sich die Wirtschaft erholt, könnten Einstellungen für Juniorstellen stärker anziehen, als es der Fall wäre, wenn Software diese Jobs dauerhaft ersetzt hätte.
Junge Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe oder in nicht-akademischen Berufen sollten die Entwicklung am genauesten verfolgen. In diesen Bereichen fand das IAB bei Menschen in ihren Zwanzigern eine höhere KI-Exposition zusammen mit einer schwächeren Beschäftigung. Einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang haben die Forschenden noch nicht nachgewiesen. Trotzdem lohnt es sich, dieses Muster zu kennen, wenn Sie sich in diesen Branchen für eine Weiterbildung, eine Ausbildung oder einen ersten Job entscheiden.
Wer in der IT auf Jobsuche ist, sollte wissen, dass laut Bitkom weniger Stellen ausgeschrieben sind als früher. Da der Hauptgrund die Konjunktur ist, handelt es sich um einen konjunkturellen Engpass und nicht um ein Zeichen dafür, dass Tech-Karrieren in Deutschland verschwinden.
Worauf Sie als Nächstes achten sollten
Die entscheidende Frage ist, ob der kleine negative Effekt bei den 20- bis 29-Jährigen größer wird. Derzeit ist er nicht statistisch signifikant. Sollten spätere IAB-Daten zeigen, dass sich der Abstand vergrößert und der Zusammenhang signifikant wird, wäre das der erste belastbare Beleg dafür, dass KI junge Beschäftigte in Deutschland trifft. Im verarbeitenden Gewerbe und in nicht-akademischen Berufen dürften sich Veränderungen zuerst zeigen.
Außerdem lohnt der Blick auf die Gesamtwirtschaft. Wenn die Forschenden recht haben und vor allem die schwache Konjunktur und nicht KI die Einstellung von Berufseinsteigern bremst, sollte sich eine Erholung zuerst in mehr Einstiegsstellen zeigen. Achten Sie auf die kommenden Zahlen von Bitkom und Indeed zu offenen IT- und Bürostellen. Bleiben die Einstellungen für Juniorstellen auch nach einer wirtschaftlichen Erholung schwach, wird die Debatte über die Rolle von KI zurückkehren. Weitere Berichte über KI und Arbeit finden Sie auf Mylistingo.
Quelle: heise online
Quellen
- heise online: KI bisher kein Jobkiller in Deutschland, abgerufen am 14. Oktober 2026
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