Aus dem Englischen übersetzt, zuletzt geprüft am 20. Oktober 2026. Den Originalartikel auf Englisch lesen
Der Wohnungsneubau in Berlin stockt, und nun bricht auch in der Region rund um die Hauptstadt der Bau deutlich ein. Das geht aus dem Jahresbericht des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU hervor, über den die Berliner Morgenpost berichtet. Für alle, die in Berlin eine Wohnung suchen, deutet der Bericht darauf hin, dass ein Umzug in den Speckgürtel kaum viel Entlastung bringen dürfte.
Was passiert ist
Der BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, der Dachverband der Wohnungsunternehmen in Berlin und Brandenburg, hat seinen Jahresbericht vorgelegt. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, sanken die Neubauinvestitionen der BBU-Mitgliedsunternehmen im Berliner Umland, also in den Städten und Landkreisen rund um Berlin, im Jahr 2025 um 40,1 Prozent. In ganz Brandenburg begannen die Mitgliedsunternehmen nur noch mit dem Bau von 451 Wohnungen, 44,5 Prozent weniger als 2024.
Der Markt im Umland ist schon jetzt angespannt. Nur 1,8 Prozent der Wohnungen dort stehen leer. BBU-Vorständin Maren Kern sagte der Zeitung, als ausgeglichen gelte ein Markt bei rund drei Prozent.
Als größte Bremse für den Neubau nennt der BBU die hohen Finanzierungs- und Baukosten. Der Verband rechnet ein Beispiel vor: Bei Baukosten von 4.700 Euro pro Quadratmeter, einer Kreditfinanzierung von 80 Prozent des Vorhabens und einer jährlichen Tilgung von zwei Prozent ergibt sich mit den Zinsen von Mitte Oktober eine Kostenmiete, also die Miete, die allein zur Deckung der Kosten nötig ist, von mindestens 24 Euro pro Quadratmeter. Für eine 65 Quadratmeter große Wohnung wären das 1.560 Euro nettokalt, also ohne Heiz- und Nebenkosten. Solche Mieten wären für die meisten Haushalte nicht bezahlbar, sagte Kern, und bezahlbarer Neubau lasse sich ohne öffentliche Förderung nicht wirtschaftlich errichten. Rund 86 Prozent der Wohnungsunternehmen im Umland halten die derzeitige Förderung für unzureichend. Der BBU fordert, die Fördersätze regelmäßig an die Baukosten anzupassen.
Der Bericht erscheint, während Die Linke, die Grünen und die SPD über die Bildung der nächsten Berliner Landesregierung sprechen. Ihr Sondierungspapier, das die Ergebnisse der Sondierungsgespräche zusammenfasst, sieht bis 2031 100.000 Baugenehmigungen vor, aus denen jeweils eine Wohnung werden soll. Außerdem wollen die Parteien ein „öffentliches Wohnungsbauprogramm“ auflegen, das Papier nennt dafür aber keine Summe. Die im Papier erwähnten 16 Milliarden Euro beziehen sich nur auf Entschädigungen für die Vergesellschaftung, also das Vorhaben, große private Wohnungsbestände in öffentliches Eigentum zu überführen. Das Papier selbst räumt ein „Ungleichgewicht“ im Landeshaushalt ein.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie in Berlin eine Wohnung suchen und überlegen, Ihre Suche auf Brandenburg auszuweiten, deuten die Zahlen des BBU darauf hin, dass das Angebot auch dort knapp ist. Bei einer Leerstandsquote von 1,8 Prozent und sinkendem Neubau dürfte die Konkurrenz um Wohnungen im Speckgürtel hoch bleiben.
Die Kostenrechnung des BBU zeigt zudem, welche Mieten für neu gebaute, nicht geförderte Wohnungen nötig wären. Wird Ihnen eine Neubauwohnung zu einer hohen Miete angeboten, spiegelt das möglicherweise eher diese Kosten wider als einen Vermieter, der aus der Reihe fällt. Prüfen Sie beim Vergleich von Angeboten, ob die angegebene Miete nettokalt oder warm (einschließlich Heiz- und Nebenkosten) ist, denn die BBU-Zahl von 1.560 Euro enthält diese Kosten nicht.
Der BBU wies die Vorstellung zurück, dass die Debatte über die Vergesellschaftung in Berlin die Wohnungsunternehmen dazu bringen werde, stattdessen mehr in Brandenburg zu bauen. Der Verband warnte, die Berliner Eingriffe könnten Baukredite im Umland sogar verteuern.
Worauf Sie als Nächstes achten sollten
Entscheidend sind vor allem die Koalitionsgespräche. Bau- und Wohnungsverbände sind skeptisch. Katarzyna Siwek, Geschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, eines Branchenverbands mit rund 900 Mitgliedsbetrieben, nannte es einen wohnungspolitischen Widerspruch, privates Kapital mobilisieren zu wollen und gleichzeitig die Vergesellschaftung vorzubereiten. „Papier schafft keinen Wohnraum“, sagte sie. Aus 100.000 Genehmigungen müssten am Ende auch 100.000 Wohnungen werden, und das gelinge nur, wenn Bauen wirtschaftlicher werde und Investoren sich auf verlässliche Regeln verlassen könnten.
Auch die Berliner Wohnungsbaugenossenschaften, die ihren Mitgliedern gemeinsam gehören und in den Plänen der Parteien eine zentrale Rolle spielen sollen, haben Vorbehalte. Bis zu 25 Prozent des Neubaus auf landeseigenen Grundstücken könnten an Genossenschaften gehen. Jörg Kneller, Sprecher der Genossenschaften, nannte das „vorerst positiv“, die Bedingungen seien aber unklar. Berlin vergibt Grundstücke an Genossenschaften derzeit nur in Erbpacht, also über eine langfristige Pacht, bei der das Grundstück im Eigentum des Landes bleibt. Das widerspreche dem genossenschaftlichen Prinzip der langfristigen Sicherheit, sagte Kneller, für die meisten Genossenschaften komme Erbpacht nicht infrage. Ob der endgültige Koalitionsvertrag ein Budget für den öffentlichen Wohnungsbau nennt und diese Grundstücksbedingungen ändert, wird mit darüber entscheiden, wie viele neue Wohnungen tatsächlich entstehen.
Quelle: Berliner Morgenpost
Quellen
- Berliner Morgenpost: Wohnungsbau in Berlin stockt – und bricht auch im Umland ein, abgerufen am 20. Oktober 2026
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